„Kennst du diese App schon?“, eine Frage, die gerne gestellt wird, wenn man gemeinsam über die Möglichkeiten des Smartphones spricht. Täglich kommen neue Apps dazu. Ihr Ziel: Die Erleichterung unseres Lebens und mehr selbstbestimmte Zeit, denn wir müssen an nichts mehr merken. Sie melden sich automatisch und fordern zum Handeln auf.  Sie wollen uns zum Beispiel bei einer gesünderen Lebensführung unterstützen. Wir werden über die optimale Flüssigkeitsmenge informiert. Was sollen wir tun, wenn wir keinen Durst verspüren, obwohl die empfohlene Tagesmenge von uns nicht erreicht worden ist? Sollen wir dennoch zum Wasserglas greifen? Wie verhalten wir uns, wenn wir an einem heißen Sommertag viel mehr trinken, weil wir so durstig sind?

Versuchen wir zwanghaft die 10000 Schritte täglich zu gehen, auch wenn unerwartete Termine wahrnehmen mussten. Müssen wir dann am Abend noch eine Stunde rennen, um ja das Soll zu erfüllen? Verlieren wir nicht die Freude am Essen, wenn wir ständig daran erinnert werden, dass noch eine Orange fällig ist, um den Vitamin C Haushalt im optimalen Zustand zu halten?

Wir beschweren uns über zu viel Fremdbestimmtheit, zu wenig Raum zum Atmen, und gleichzeitig begeben sich immer mehr von uns in die freiwillige Überwachung.

Vergessen wir hierbei nicht unsere lieben Kleinen. Wir wünschen ihnen nur das Beste.

Wir wollen sie

  • beschützen,
  • unterstützen,
  • auf das Leben gut vorbereiten,
  • fördern

Den Nachwuchs zu selbstbewussten und selbstbestimmten Menschen zu erziehen ist doch sicherlich unser Ziel. Kommen da die neusten Apps nicht gerade richtig?

Nicht die Eltern begleiten sie durch den geregelten Tagesablauf, sondern die Apps am Handgelenk. Es vibriert, es piepst, anhand von Bildern erkennen bereits die Kleinsten, was zu tun ist. Sie werden durch den Tag geführt. Die Schlafens-, Essens-, Spiel- und Chillzeit wird vorher von den Eltern genau einprogrammiert und das Kind erkennt selbstständig was zu tun ist. Hier geht nicht die Fantasie mit mir durch, nein, es ist laut Presse ein neuer Trend.

Glauben Eltern wirklich daran, dass sie dadurch Kinder zu selbstbewussten und selbstbestimmten Erwachsenen erziehen? Was passiert, wenn die Programmierung mal schiefläuft oder ein Ereignis eintrifft, welches nicht berücksichtigt wurde? Soll das Kind dann die Meldung der App übergehen? Wie sieht es mit den Diskussionen aus, wenn irgendetwas nicht passt? Wie lernen Kinder auf Ihre Bedürfnisse zu hören, wenn sie sich in einem vollkommen verplanten Alltag befinden.

Ist es nicht herrlich an einem warmen Frühlingstag auf einer Picknickdecke die Sonne zu genießen, der Bewegung der Blätter durch den Wind zu folgen, nichts zu denken, einfach im Sein zu verharren? Wann haben Sie das letzte Mal diese Situation erlebt? Können Sie sich noch daran erinnern?

Welche Folge haben nun Apps auf unser Leben? Vor kurzem las ich, dass wir durchschnittlich 53mal am Tag zum Smartphone greifen. Wir verhalten uns so, weil wir den Wunsch haben, nichts zu verpassen. Müssen wir mit einem schlechten Gewissen ins Bett, wenn unser Tag nicht gesundheitsförderlich verlief?

Wie wirken sich die Apps auf Kinder aus?

  • Wie finden sie Ihre Stärken und Interessen heraus, wenn keine Zeit fürs freie Spielen, Entdeckungstouren, den Gedanken freien Lauf zu lassen, bleibt?
  • Wie sieht es mit dem kindlichen „in ein Spiel versinken“ aus?
  • Wie können Kinder das Gespür für: „Was kann ich mir Gutes tun?“, erlernen, wenn ihnen alles vorgegeben wird?

Wann waren wir zuletzt „Hans guck in die Luft“? Wir begeben uns dazu ins Yoga. Warum setzen wir uns nicht einfach irgendwo hin, um Löcher in die Luft zu starren?

Wir wünschen ein selbst bestimmtes Leben für uns und unsere Kinder. Dabei lassen wir uns von außen beeinflussen. Der innere Schweinehund und das schlechte Gewissen werden von den Medien geweckt und diese suggestieren, uns bei der Überwindung des Passivmodus in den Aktivmodus unterstützen zu wollen.

Ich finde es paradox, einerseits beschweren wir uns über eine Überwachung, möchten unsere Privatsphäre beschützt sehen, anderseits überwachen uns unsere Apps. Wir fühlen uns immer mehr fremdbestimmt, gehetzt und merken, dass es nicht unsere Wunschvorstellung ist.  Immer öfter stellen wir uns die Frage: „Wie kommen wir aus dem Hamsterrad heraus?“

Wie können wir einen Gegenpol schaffen? Gehen wir Offline. Es ist nicht schlimm, wenn wir mal nicht erreichbar sind. Gönnen wir uns Egoismus. Hören wir in uns hinein und finden heraus was uns gut tut.

Ich gebe zu, auch ich habe einige Apps auf meinem Smartphone. Es werden Schritte und die zurückgelegten Stockwerke gezählt, aber tagelang passiert auch nichts, weil ich meinen „Begleiter“ einfach zu Hause liegen lasse und für ein paar Stunden nicht erreichbar bin. Die Statistik rutscht dabei ins Minus, na und?

Mein Smartphone kommuniziert auch mit mir. Es teilt mir die anstehenden Termine rechtzeitig mit und darüber bin ich sehr froh. Lassen wir uns von Apps unterstützen und informieren, aber bleiben wir kritisch. Es gibt viele hilfreiche Apps, dessen bin ich mir bewusst, nur sollten wir uns von ihnen nicht unseren Alltag bestimmen lassen.

Mein Denkanstoß aus diesen Gedanken heraus: Welche Apps lassen Sie in Ihr Leben?

Mit allen guten Wünschen

Beate Buck

 

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2017-05-13T23:08:19+00:00 12/04/2017|